Technische Innovationen sind ja bekanntlich nicht aufzuhalten. Gerade eben noch haben wir uns über die ersten 1-Megapixel Knipsen gefreut (meine erste digitale Kamera anno 2002), ein Jahrzehnt später schießen unsere Telefone bessere Fotos, als so manch eine professionelle Kamera. Zehn Jahre also von einem bis zu 41 Megapixel in einem extrem kompakten Gehäuse? Unsere Glaskugel sagt uns aktuell leider nicht, wo die PureView-Technologie in einem weiteren Jahrzehnt stehen wird. Wir fassen erst mal die Trends der nächsten fünf Jahre zusammen.

1. Die kompakte Evolution

Die allgemeinen Verkaufszahlen von Kompaktkameras sind 2011 um 30% eingebrochen. Das überrascht wohl die wenigsten, wenn man gleichzeitig die immer besseren Foto-Eigenschaften der neuesten Smartphone-Generation kennt. Die Hersteller von Digitalkameras müssen sich mächtig etwas einfallen lassen, um im Geschäft zu bleiben. Touchscreen, WiFi, direktes Einbinden diverser sozialer Netzwerke, Zeitlupen-Video Funktionen, Selbstauslöser, die man durch ein Winken auslösen kann und ein paar Dutzend neue digitale Voreinstellungen für unterschiedliche Motive/Szenen. Für die gute (alte?) Kompaktkamera heißt es in Zukunft “evolve or die”.

2. HDR an Bord

Man kann es lieben oder hassen, es als Modeerscheinung oder großen Schritt in der Fotografie bezeichnen – welcher Ansicht man auch ist, es scheint sicher, dass High Dynamic Range (HDR) Fotografie so schnell nicht wieder verschwinden wird. Während die Technik in früheren Zeiten noch Arbeitsschritte in der Nachbearbeitungsphase von Motiven nötig machte, hat die neue Generation Kompaktkameras und Smartphones die Möglichkeiten HDR-Aufnahmen direkt zu schießen gleich an Bord. Fragt sich nur, ob dies dazu führt, dass unsere Fotos realistischer aussehen werden, oder eher zu einem Disney-auf-Drogen-Stil verkommen..

3. Dreidimensional

3D-Kameras füllen mittlerweile ganze Regale in den Elektronikgeschäften. Erste 3D-Filme gibt es seit den Zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts und das Format ist seitdem nicht tot zu kriegen (kennt hier jemand die 3D-Version von “Der weiße Hai”? Nein? Vielleicht auch besser so..). Wie so oft ist auch hier die Technologie mittlerweile kompakter und günstiger geworden. Für die 3D-Filme der nahen Zukunft werden keine Brillen mehr benötigt und die Möglichkeiten diese direkt mit dem eigenen Smartphone oder der Digitalkamera aufzunehmen, werden weit verbreitet sein.

4. Erst knipsen, dann fokussieren

Einen großen Sprung in der Art und Weise, wie wir (zukünftig) Fotografieren brachte die sogenannte Light Field Technologie der Firma Lytro. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kameras, welche bloß eine einzige Lichtebene aufnehmen können, fängt die Lytro-Kamera gleich mehrere Ebenen ein und speichert die Informationen in einem speziellen Format. Dadurch lassen sich Fotos gleichzeitig in 3D oder 2D aufnehmen und sogar der Fokus im Anschluss an die Aufnahme beliebig verschieben. Ein derart aufgenommenes Foto ist nicht mehr nur eine einzelne und endliche Momentaufnahme, sondern jederzeit und grundsätzlich veränderbar und wird somit zu einem umfassenderen Dokument des jeweils festgehaltenen Moments. Die Technologie wird sicherlich noch ein wenig reifen müssen (den Kritiken zu den Lycro-Kameras nach zu urteilen), aber hier kann sicherlich einiges für die Zukunft der Fotografie erwartet werden.

5. Entfernen

Das Entfernen von Menschen aus Fotos bzw. das Retuschieren war schon immer in der Nachbearbeitung möglich, aber es sieht so aus, als würden diese Funktionen in naher Zukunft auch direkt auf unseren Geräten nach einer Aufnahme möglich sein. Ermöglicht wird dies, indem die Kamera zusätzliche Motive aufnimmt und der Benutzer anschließend die jeweils gewünschten Teile aus unterschiedlichen Motiven in ein “perfektes” Foto zusammenfügen kann. Irgendwie aber auch schade, dass dies das Aus der Foto-Flitzer sein wird, oder..?

 

Zusammengefasst kann durchaus behauptet werden, dass künftige Technologien unsere Sicht der Fotografie reichlich durcheinander bringen wird. Kunstvolle Elemente wie Licht und Schatten, Tiefenschärfe und Teilbilder sowie theoretische Konzepte wie die zuvor angesprochene “Momentaufnahme”, die für die Ewigkeit eingefroren bleibt, bleiben dabei auf der Strecke. Vielleicht benötigen wir sogar einen neuen Begriff für die künftige Art der Fotografie. Ein simples “Foto” ist es doch schon lange nicht mehr.

Was sind für euch die bahnbrechendsten Entwicklungen in der Fotografie und was meint ihr, wird sich am ehesten durchsetzen? Wir freuen uns auf die Ergebnisse eurer Glaskugeln in den Kommentaren! :)