Sommerzeit ist Reisezeit. Bei den Urlaubsvorstellungen der meisten von uns ist jedoch die Reise wohl nur das akzeptierte Übel auf dem Weg von A nach B, bzw. von Stadt nach Strand/Sonne/Palmen – ihr versteht schon. Richard Höter sieht das anders. Für ihn ist der Weg das Ziel und diesen legt er bevorzugt auf seinem Fahrrad zurück. Der 19jährige Student der Geschichte und Philosophie an der Uni Greifswald hat soeben eine Radtour durch die USA absolviert und ist bereits auf der nächsten Tour quer durch Europa. Was er auf seinen Reisen erlebt und wie ihn sein Smartphone unterstützt, berichtet er im Interview.

Richards Traum einer Weltreise entstand bereits in jungen Jahren. Grob geplant war diese für die Zeit nach dem Abitur. Sein Bedürfnis, die Welt und neue Leute kennen zu lernen setzte er dann jedoch erst mal mit einer Tour von der Westküste bis zur Ostküste der USA um. Geplant war lediglich, von San Francisco nach New York zu fahren und heile anzukommen. Schon bei der Planung spielte die Ausstattung eine größere Rolle, als die Route – mit der wollte sich Richard vor Ort beschäftigen.

Wie sah deine Route quer durch die USA aus?

Zuerst fuhr ich die Westküste auf der Traumstraße Highway 1 hinunter nach Los Angeles, und von dort aus über die Rocky Mountains nach Albuquerque. Dieser Teil der Reise war bei weitem der härteste, ich lernte viel über realistische Tagesstrecken (alles über 60 Meilen bedarf einer Rechtfertigung), den Sinn einer Kopfbedeckung bei 50 Grad (ich fuhr damals noch ohne Helm und jeder weitere Tag brachte neue Hitzerekorde) und sinnvolle Pausen (mindestens alle 2 Stunden). Dies war aber auch der Teil meiner Reise, bei dem ich die meisten Menschen kennenlernte, die mich immer wieder mit ihrer Großzügigkeit und ihrer Freundlichkeit überraschten. Nach einem fatalen Hitzeschlag inmitten der Wüste wurde es mir dann doch zu heiß und ich fuhr direkt nach Norden, noch an Denver vorbei bis nach Mount Rushmore. Die Wege wurden grüner, die Menschen verschlossener, aber tiefgründiger, man knüpfte stärkere Bande. Ich begegnete nur freundlichen Menschen und einigen, denen ich sehr viel verdanke. Von Mount Rushmore aus fuhr ich nach Minneapolis, von dort aus nach Chicago. Ich bin bereits am zweiten Tag mit einer jungen Highschool-Lehrerin ein paar Tage zusammen gefahren (sie fuhr weiter bis nach Texas) und traf auch hier wieder einen jungen Radler, der sich ähnlich wie ich viel zu viel vorgenommen hatte, aber wir halfen uns gegenseitig und verblieben einige Tage miteinander, bis sich unsere Wege wieder trennten. Von nun an fraß ich die Kilometer, ich musste verlorenen Zeit wieder aufholen und blieb nur noch ein paar Tage in Pittsburgh, bis ich es schließlich endlich nach New York City geschafft hatte. Insgesamt hatte ich in 90 Tagen über 6.500 km zurückgelegt und mein Adressbuch mit 56 neuen Namen gefüllt.

Wie hat dich dein Smartphone auf deinen Reisen unterstützt?

Damals tourte ich noch mit meinen Nokia 2710. Dieses Handy erwarb ich alleine aufgrund der genialen Nokia Karten. Die Karten haben mir immer sehr weitergeholfen, gerade auch zur Standortbestimmung, die immer sehr gut funktioniert hat. Ohne diese interaktive Gestaltung meiner virtuellen Karte hätte meine Reise sicherlich ganz anders ausgesehen, und meine Art zu reisen, nicht funktioniert.

Welches ist die wichtigste App für unterwegs?

Die wichtigste App für unterwegs ist sicherlich Nokia Karten. Nokia hat mit dieser Anwendung wirklich Neuland betreten und die Möglichkeit einer Offline-Navigation ist perfekt. Weiterhin begeistern wird mich aber wohl bei meiner zweiten Tour die Kamera und die dazugehörige Software meines Nokia 808 PureView. Die Einstellungen sind für mich als fotografischen Laien selbsterklärend und Bilder mit bis zu 38 Megapixel Auflösung schießen zu können, eröffnet ganz neue Möglichkeiten.

Was waren die größten Herausforderungen vor, während und nach diesen „Auszeiten“ vom Alltag?

Die größte Herausforderung vor meiner Tour war sicherlich, trotz all des Enthusiasmus, noch für mein Abitur zu lernen. Während meiner Reise durchschoss mich oft der Gedanke „Warum tust du das alles?“. Man muss sich schon quälen, um so etwas durchzuhalten. Oft war es schwer, gerade liebgewonnene Menschen wieder hinter sich lassen zu müssen und manchmal spielte man mit dem Gedanken, zu bleiben und nicht wieder in den „Alltag“ zurückzukehren. Während meiner Tour hatte ich oft keinerlei Zeitgefühl, ich konnte relativ sicher den Monat bestimmen, aber es zählte der Augenblick und das, was gerade vorhanden war. Wieder in die alltäglichen Strukturen und in die sprichwörtliche „deutsche Pünktlichkeit“ einzufinden, war nicht einfach. Aber insgesamt hatte mir meine Reise bewiesen, dass es sich lohnte, ich sah die Welt mit anderen Augen und aus einer ganzen Reihe an neuen Blickwinkeln.

Welche Ziele verfolgst du mit deinen Reisen?

Natürlich gibt es auch persönliche Ziele. Weltberühmte Ausstellungen, Monumente, etc. zu erfahren, ist immer beeindruckend. Auch scheint es mir ratsam, ab und an seine „Komfortzone“ zu verlassen. Nicht zuletzt ist es auch sicherlich nie verkehrt, Sport zu treiben. Und auch etwas Derartiges einfach durchzuziehen ist positiv.

Vor allem jedoch ist der Weg mein Ziel. Fremde, die zu Freunden werden, Kulturen, die einem neue Blickwinkel eröffnen und Ereignisse, die zu Erlebnissen werden – das ist es, was zählt.

Welches war bislang dein gefährlichstes und welches das schönstes Erlebnis vergangener Touren?

Noch relativ frisch unterwegs, gerade erst in etwa einer Woche von San Francisco die Westküste herunterkommend, wollte ich es unbedingt noch am selben Tag nach Los Angeles schaffen. Das Hostel war gebucht, mich würde also ein Bett erwarten, die einzige Frage war, wie dahin zu kommen sei. Ich kam bereits körperlich und auch mental erschöpft spät abends an. Schnell baute ich Telefonkontakt zu den Leuten in der Herberge auf. Stundenlang fuhr ich Straßen auf und ab und versuchte den kruden Wegbeschreibungen des anderem am Telefon Folge zu leisten. Irgendwann stand ich dann um Mitternacht in nicht eben der besten Siedlung, der Akku leer und ebenso der Magen. Ich war der Fremdkörper, und ich kriegte es zu spüren. Menschen antworteten nicht, wenn man sie nach dem Weg fragte.

Schließlich half mir eine junge, sehr erschöpft aussehende Frau. Als ich ihr sagte, wohin ich müsse, wollte sie mich nicht fahren lassen, weil es zu gefährlich sei. Stattdessen zauberte sie einen Zettel und Stift hervor und schrieb in Windeseile ein wahres Essay an Wegbeschreibung hinunter. Ich fand die Innenstadt endlich wieder und mein einziger Gedanke war Schlaf. Ich befand mich im Jewelry-District und sah mich genau hier nach dem nächsten Hotel um  – es war das Sheraton, eine nicht eben billige Hotelgruppe. Aufgrund meiner äußeren Erscheinung wollte mich der Portier gar nicht erst einlassen, erst auf Zeigen meiner Kreditkarte und meiner Versicherung „I’m willing to pay everything“ hin ließ er mich schließlich wiederstrebend ein. So durchschritt ich also eine riesige Eingangshalle, das schwere Rad neben mir herschiebend, in abgewetzten Klamotten, durchgeschwitzt und mit den lauten, harten Sohlen meiner Radfahrschuhe auch die letzte Aufmerksamkeit auf mich ziehend.

Drinnen angekommen wurde ich von einer sehr netten Rezeptionistin begrüßt. Das billigste Zimmer kostete knapp 190 Dollar – das waren 15 Übernachtungen in wunderschönen Naturparks, doch mir war es egal. Die Rezeptionistin sagte, dass sie nachsehen würde, was sich am Preis machen ließe. Nach ein wenig Tipperei lautete das Angebot 110 Dollar. Ich hatte gar nichts in der Art vorgeschlagen und war sehr erfreut. Gleichzeitig verlieh sie mir dann auch noch VIP-Status, was mir zu meinem Abendessen und Frühstück am nächsten Tag verhalf. Endlich ins Bett fallen zu können war – bei aller Banalität – auch eines der schönsten Erlebnisse meiner Tour. Wirklich merkwürdig fand ich es eigentlich nur, wie schnell das Geld aus der Plastikkarte floß. Oder auch die wiederholten Versuche von Amerikanern, mich zum Kauf einer Waffe zu überreden.

Welchen Tipp hast du für Menschen, die ähnliches vorhaben?

Einen konkreten Tipp kann man schwerlich geben, denn jeder hat eine andere Motivation für Vorhaben dieser Art. Manche mögen dafür planen wollen, andere können am Tag davor die Taschen packen und die Landkarte rausholen. Ich persönlich plane eher wenig, auf meiner ersten großen Tour hatte ich die ersten beiden Tage im Kopf, danach begann für mich Neuland. Im Allgemeinen sollte man sich nicht zum Sklaven seiner Pläne machen und ein wenig Realismus bewahren – mit dem Fahrrad zu reisen ist oft harte Arbeit! Wichtig ist nicht die Planung der Reise, sondern die Planung vor der Reise. Wer ein gutes Fundament aufbaut, sei es physisch, psychisch, materiell, immateriell oder anderweitig, der hat mehr von der Reise. Letztendlich kann ich allen nur einen Tipp geben, den ich auch auf Tour immer wiederholt habe: „Tu es einfach!“

Wie lauten die Pläne für dein nächstes Vorhaben?

Am 25. August diesen Jahres werde ich mich wieder auf Reisen begeben, diesmal unter den Vorzeichen: „3000km – 30 Tage – 9Länder“. Die Tour steht unter dem Motiv, Deutschlands unmittelbare Nachbarstaaten kennen und verstehen zu lernen. Dazu werde ich meist relativ grenznah fahren, um die Vermischung unterschiedlicher Kulturen zu erleben.

Meine Tour wird in Dresden starten und mich am ersten Tag dicht an die Grenze zur Tschechischen Republik bringen. Am nächsten Tag fahre ich dann nach Prag, von dort aus weiter über Passau nach Salzburg. Kurz Station machen werde ich auch im Kleinstaat Liechtenstein, um dann wieder in Richtung Zürich und später Basel in der Schweiz hin aufzubrechen. In Frankreich werde ich durch Nancy nach Luxemburg einfahren, wovon aus ich Belgien bereisen werde. In Belgien werden mich Brüssel, Brügge und Antwerpen erwarten; bis ich in die Niederlande abbiege. Über Rotterdam, Den Haag und schließlich Amsterdam fahre ich wieder über Bremen nach Deutschland. Endstation ist Hamburg.

Diese Tour wird mich zwar gegenüber meiner ersten Reise sprachlich und kulturell nicht ganz so stark fordern, dafür aber sind die physischen Anstrengungen umso größer, gilt es doch, jeden Tag etwa 120 km zu fahren.

 

Weitere Infos und Impressionen findet ihr auf Richards Homepage. Wir wünschen ihm viel Glück auf seiner aktuellen Tour und werden hier im Blog von seinen Stationen berichten. Bleibt dran! :)