Erst durch Rückblicke auf die Meilensteine vergangener Zeiten wird einem bewusst, wie groß die technologischen Sprünge der letzten Jahre in der Entwicklung des Smartphones waren. Zusammen mit Zukunftsforscher Michell Zappa, den wir letzte Woche auf der Campus Party getroffen haben, schauen wir heute mal ein wenig in die Zukunft der Technologie und legen das Hauptaugenmerk wie üblichen auf das Smartphone. Wie sieht das Smartphone der Zukunft aus und was werden wir damit alles machen können? Ab in die Zeitmaschine

Sicherlich ist uns allen bewusst, dass die Smartphones, die wir heutzutage in unseren Hosentaschen haben um ein vielfaches leistungsfähiger sind, als die großen grauen Kisten, die wir vor noch gar nicht allzu langer Zeit unter unseren Schreibtischen stehen hatten und mit so aufwendigen Dingen wie Monkey Island spielen an ihre Leistungsgrenzen brachten.

Das Mooresche Gesetz

Diese Vervielfachung der Leistung brachte der Mitgründer von Intel Gordon Moore in seinem Mooreschen Gesetz schon Mitte der Sechziger Jahre auf den Punkt. Sein Gesetz sagt aus, dass sich die Leistungsfähigkeit von Computerchips in etwa alle zwei Jahre verdoppelt. Er lag damit gar nicht so falsch, denn real verdoppelt sich die Leistung neuer Computerchips aktuell etwa alle 20 Monate.

Nach diesem Gesetz können wir also erwarten, dass die Smartphones im Jahr 2017 ungefähr 10x so leistungsfähig sein werden, wie die aktuellen Geräte. Michell Zappa fasst das in Zahlen wie folgt zusammen: eine Speicherkapazität von 256 GB wird ebenso zum Standard gehören, wie 4 oder 8 GB RAM. Das allein ist jedoch sicherlich keine allzu große Überraschung. Wie werden wir die Smartphones der Zukunft bedienen und wozu werden wir sie einsetzen?

Größe

Da Smartphones ab einer gewissen Größe mit den bereits erhältlichen Tablets konkurrieren, erwarten wir keine bedeutende Steigerung zu den aktuell erhältlichen Größen mit Displays im 4-Zoll-Bereich. Um dennoch die sichtbare Fläche der Displays zu erweitern, müssen wir in Zukunft wahrscheinlich zu Tricks greifen. Den Bildschirminhalt des eigenen Smartphones kabellos auf einen größeren Monitor zu übertragen, ist dabei natürlich nur der Anfang und das ist ja auch heutzutage bereits möglich. Weitere Szenarien der Erweiterung des Bildschirmes beinhalten den Anschluss an Brillen, Armbanduhren und Kleidung.

Bedienung

Nokia hat es bereits auf der letzten Nokia World präsentiert und auch Michell Zappa stimmt zu: die Zukunft gehört dem biegsamen Display und den neuen Möglichkeiten der Bedienung von Geräten die sich daraus ergeben (faltbare Displays?). Auch die Lesbarkeit der Smartphonebildschirme wird durch die Weiterentwicklung transreflektiver Displays speziell unter direkter Sonneneinstrahlung verbessert. Nebenbei hat diese neuartige Displaytechnologie auch die angenehme Eigenschaft weniger Energie zu verbrauchen und somit die (ohnehin verbesserten) Akkus der Zukunft zu schonen.

Eine Bedienung des Smartphones über Gesten ist ebenso denkbar, wie die umfassende Steuerung über Spracherkennung – alles eine Frage des technischen Fortschritts, keine Sorge. Spracherkennung in diesem Fall bedeutet aber nicht nur, dass das Telefon wie heutzutage bereits möglich, auf Befehle reagiert. Sofern der Besitzer die Erlaubnis dazu erteilt hat, wird das Smartphone aktiv im Alltag “zuhören”. So werdet ihr zum Beispiel an den Link erinnert, den ihr einem Freund in einer Unterhaltung per Email versprochen hattet. Auch schickt euer Smartphone der eigenen Familie vielleicht eine Nachricht, dass man heute später nach Hause kommt noch bevor man mitbekommt, dass der Zug Verspätung hat. Durchaus denkbar, oder?

Sensoren

Dass das alltägliche Bezahlen in Geschäften in Zukunft mit unserem Smartphone per Berührung erledigt wird, ist klar. Und wenn es nicht durch physische Berührung passiert, dann wohl per App. Um uns im Kaufhaus oder Supermarkt der Zukunft zurechtzufinden, wird die Technologie der Positionierung in Innenräumen eine große Hilfe sein. Der Supermarkt an der Ecke hat mal wieder umgeräumt? Kein Problem – unser Smartphone zeigt uns beim Betreten des Geschäfts direkt an, wo wir die Milch jetzt finden.

Sicherheit

Während wir uns heute noch für jeden Dienst und jede Community ein (hoffentlich jeweils unterschiedliches) Passwort merken müssen, wird hier in Zukunft auch das Smartphone aushelfen können. Wenn unser Smartphone uns anhand biometrischer Sensoren eindeutig identifizieren kann, benötigen wir auch kein Passwort mehr, um uns beim jeweils gewünschten Dienst anzumelden oder per App zu bezahlen. Und wenn wir schon keine Schlüssel mehr für die virtuelle Welt benötigen, dann könnte man dies auch auf die reale Welt übertragen: in Zukunft öffnen wir unsere Wohnungstür ganz einfach mit dem Smartphone.

Mehr Strom

Klar, dass das Smartphone der Zukunft einen ziemlichen Energiehunger haben wird. Zur Zeit ist jedoch nicht absehbar, ob es schlicht ein Durchbruch in der Akkutechnologie geben wird oder der Strom für unsere künftigen Geräte einfach aus anderen Quellen, wie zum Beispiel eingebauten Solarzellen, kommen wird.

Netzwerk

Nach 3G kommt 4G und anschließend 5G und so weiter… Klar werden die Mobilfunknetze schneller und unsere Smartphones dem Trend entsprechend die jeweils angesagten Geschwindigkeiten unterstützen. Schnellere Datenübertragungen werden zum Beispiel Apps möglich machen, die Dolmetscher-Funktionen übernehmen. Der Babelfisch wird also endlich Realität. :)

Fazit

Das Smartphone im Jahr 2017 wird nach wie vor als solches erkennbar sein – so schnell werden wir uns wohl nicht mit Hologrammen unterhalten. Die Einsatzbereiche unserer mobilen Freunde werden sich jedoch enorm erweitert haben. Außerdem werden wir uns keine Gedanken mehr über die ausreichende Akku- oder Speicherkapazität machen müssen und darüber, dass der Taxifahrer in Bangkok kein Englisch spricht.

Klingt gut, oder? Was wünscht ihr euch eigentlich für das Smartphone der Zukunft am dringendsten? Die Zeitreise kann in den Kommentaren fortgeführt werden…

P.S.: Michell Zappas Präsentation auf der Campus Party findet ihr hier in voller Länge. Meine zugegebenermaßen recht einfach Frage an ihn im Anschluss auch. ;)